Das Testmaterial umfasst neben dem Manual für den Anwender eine Anzahl von Testbögen, Schablonen, Auswertungsbögen sowie entsprechende Profilblätter zum Eintragen der Ergebnisse. Zur schnelleren Auswertung steht auch ein computerisiertes Programm zur Verfügung.
Die Testinstruktion:
Sie werden auf den folgenden Seiten eine Reihe von Aussagen über bestimmte Verhaltensweisen und Einstellungen finden. Sie können sie jeweils entweder mit “Ja” (stimmt) oder mit “Nein” (stimmt nicht) beantworten. Umkreisen Sie bitte die für Sie passende Antwort. Es gibt keine richtigen oder falschen Antworten, weil jeder Mensch das Recht zu eigenen Anschauungen hat. Antworten Sie bitte so, wie es für Sie persönlich zutrifft.
Beachten Sie bitte folgende Punkte:
- Überlegen Sie bitte nicht erst, welche Antwort vielleicht den “besten Eindruck” machen könnte, sondern antworten Sie so, wie es für Sie persönlich gilt. Manche Fragen kommen Ihnen vielleicht sehr persönlich vor. Bedenken Sie aber, dass Ihre Antworten unbedingt vertraulich behandelt werden.
- Denken Sie nicht lange über einen Satz nach, sondern geben Sie die Antwort, die Ihnen unmittelbar in den Sinn kommt. Natürlich können mit diesen kurzen Fragen nicht alle Besonderheiten berücksichtigt werden. Vielleicht passen deshalb einige nicht so gut auf Sie. Kreuzen Sie aber trotzdem immer eine Antwort an, und zwar die, dienoch am ehesten auf Sie zutrifft.
Vielen Dank!
Der Test kann als Einzel- oder Gruppentest durchgeführt werden, die Instruktion bleibt identisch. In der Regel füllen die Patienten die Testbögen selbst aus, Ausnahmen beziehen sich auf die Behandlung in der Klinik: Hier kann es bei besonders schwer erkrankten psychiatrischen Patienten notwendig werden, nicht nur die standardisierte Instruktion, sondern auch die einzelnen Fragen des Tests dem Patienten vorzulesen und die Antworten für diesen zu registrieren. Dies ist allerdings nur relativ selten notwendig. Der Proband füllt den Test aus, indem er die Fragen mit “stimmt” oder “stimmt nicht” ankreuzt sowie im Anschluß eine Reihe demographischer Fragen beantwortet. Die Testdurchführung dauert je nach Spontaneität des Antwortverhaltens zwischen zehn und zwanzig Minuten.
Die Auswertung des ISTA kann durch Schablonen oder auf der Basis eines computerisierten Auswertungsprogrammes erfolgen. Dabei werden die jeweiligen Ankreuzungen des Probanden von “stimmt” oder “stimmt nicht” den jeweiligen drei verschiedenen Qualitäten der sechs verschiedenen erfassten Humanfunktionen zugeordnet. Jede relevante Nennung wird als ein Punkt für die jeweilige Skala gerechnet. Die drei verschiedenen Qualitäten der Humanfunktionen sind bei der Schablonen-Auswertung
durch Symbole gekennzeichnet:
Die jeweils erzielten Skalenausprägungen werden für die Interpretation mit Mittelwerten und Streuungen einer für die Bundesrepublik Deutschland repräsentativen Vergleichsgruppe in Beziehung gesetzt. Zwecks besserer Anschaulichkeit empfiehlt es sich die Ergebnisse in das altersentsprechende Profilblatt einzutragen, womit sowohl die Struktur des Probanden als auch die Abweichung von der Vergleichsgruppe anschaulich wird.
Sowohl im stationären wie im ambulanten Bereich wird jeder Test mit dem Patienten bzw. den Patientengruppen besprochen. In der Einzelfalldiagnostik besteht die Möglichkeit – besonders bei unauffälligen Testergebnissen – die Beantwortung einzelner Fragen zu studieren, hierüber mit den Patienten in Kontakt zu kommen und ihnen die Möglichkeit einer differenzierten Äußerungen zu geben, z.B. zur Frage von Suizidphantasien, Ausprägung und Richtung der Aggression oder real gelebter Sexualität (dies empfehlen wir besonders im Bereich der Sexualität, da hier – wie bisherige Erfahrungen zeigen – die Grenzen zwischen Realität und Phantasie leichter verwischt werden als bei anderen Humanfunktionen. Die Erhebung einer Sexual-Anamnese ist hier hilfreich). Das Testergebnis im ISTA wird dann zusammen zu den anderen Verfahren in Beziehung gesetzt und vor dem Hintergrund der Lebensgeschichte des Patienten interpretiert. Wesentlich für die Interpretation anhand des altersadäquaten Profilblattes sind vier Gesichtspunkte:
Die bereits erwähnte Gruppendiagnostik zur Überprüfung der strukturellen Zusammensetzung von Gruppen jeglicher Art ist ein relativ junger, noch wenig genutzter Bereich der ISTA-Anwendungsmöglichkeiten. Jeder erfahrene Kliniker weiß, dass die therapeutische Arbeit mit homogenen Patientengruppen äußerst schwierig ist: In einer nur aus depressiv strukturierten Patienten zusammengesetzten Therapiegruppe ist kaum ein Therapeut in der Lage, das Energie-Defizit der Gruppe zu kompensieren, in einer nur aus psychotisch strukturierten Patienten zusammengesetzten Gruppe kann der Therapeut selbst die Orientierung verlieren. Im therapeutischen Feld der Klinik Menterschwaige wird daher nur mit strukturell heterogen zusammengesetzten Therapiegruppen gearbeitet, um einen relativen Ausgleich der unterschiedlichen Krankheitsbilder mit ihren jeweils spezifischen Strukturen zu erzielen. Ergeben sich gravierende Störungen hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit einer Therapiegruppe, wird diese mit Hilfe des ISTA auf ihr Gesamtpotential an Konstruktivität, Destruktion und Defizit hin untersucht und unter Umständen anders zusammengesetzt. Gegebenenfalls erweist sich auch die Umstrukturierung der Leitergruppe mit ihren spezifischen Persönlichkeitsstrukturen als notwendig. Erste Untersuchungen zur Arbeitsfähigkeit und notwendigen Umstrukturierung einer Milieutherapiegruppe wurden 1997 von Römisch & Schmolke veröffentlicht.
Auch auf den regelmäßig stattfindenden 10tägigen gruppendynamischen Tagungen und dreiwöchigen extramuralen stationären Milieutherapieaufenthalten im Tagungszentrum der Deutschen Akademie für Psychoanalyse (DAP) in Paestum (Süditalien) wird mittlerweile routinemäßig Gruppendiagnostik mit dem ISTA durchgeführt. Zum einen um das Gesamtpotential der Gruppe an Konstruktivität, Destruktion und vorhandenem Defizit zu untersuchen und im gruppendynamischen Prozess besser zu verstehen, zum anderen, um den Teilnehmern über eine Vorher-/Nachher- Messung die Möglichkeit zu geben, eigenes Persönlichkeits-Wachstum “schwarz-auf-weiß” genauer studieren zu können (Fabian, U., Dworschak, Borusiak 1997),
Die Besprechung der Testergebnisse verstehen wir als ein grundsätzliches Prinzip, da die Auseinandersetzung mit den Ergebnissen dem Patienten neue Möglichkeiten der Einsicht und Auseinandersetzung mit sich selbst eröffnet – gerade für sehr misstrauische und paranoische Patienten ist dies oft sehr hilfreich. Für die Diagnostik des Patienten ist interessant, ob er sich mit den Werten in Beziehung setzen kann oder ob seine eigene Einschätzung sehr von der Testinterpretation abweicht. Diese Abweichung von Selbst- und Fremdbild ist besonders bei Testbesprechungen in Gruppen bedeutsam, weil hier andere Gruppenmitglieder oder auch die Therapeuten selbst direkt zu dem jeweiligen Patienten Stellung nehmen und eine wichtige Rückmeldung geben können, ob das Bild, das der Patient von sich selbst entwirft, dem entspricht, wie er von anderen wahrgenommen wird (Apfelthaler & Sandermann 1997).